480.000 Jahre altes Elefantenknochenwerkzeug verändert das Verständnis der frühen menschlichen Technologie

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Ein neu analysiertes Artefakt aus Boxgrove, England, zeigt, dass archaische menschliche Verwandte vor fast einer halben Million Jahren Elefantenknochen zum Schärfen von Handäxten verwendeten. Dieses dreieckige Werkzeug mit einem Durchmesser von knapp über 10 cm ist das älteste bekannte Exemplar seiner Art, das jemals in Europa gefunden wurde – und eines der ältesten weltweit. Die Entdeckung zeigt den Einfallsreichtum der frühen Homininen, als sie sich an das rauere nördliche Klima anpassten.

Warum das wichtig ist: Einfallsreichtum in einer rauen Welt

Die Seltenheit erhaltener organischer Materialien wie Knochen macht diesen Fund von außerordentlicher Bedeutung. Die meisten frühen Werkzeuge sind aus Stein, weil sie viel länger halten. Die Tatsache, dass Menschen Knochen verwendeten und schätzten, lässt darauf schließen, dass sie nicht nur überlebten, sondern mit allen verfügbaren Ressourcen Innovationen hervorbrachten. Das Werkzeug selbst wurde nicht nur aus einem ungewöhnlichen Material hergestellt, es wurde auch für einen ganz speziellen Zweck verwendet: die Wartung anderer Werkzeuge. Dies unterstreicht ein Maß an Voraussicht und Planung im frühen menschlichen Verhalten.

Das Tool selbst: Ein Retuschierer aus der Vergangenheit

Die Funktion des Artefakts wurde zunächst nicht erkannt. Eine kürzlich von Silvia Bello und Simon Parfitt durchgeführte Analyse bestätigte, dass es absichtlich zu einem „Retuscheur“ geformt wurde – einem Werkzeug zum Verfeinern und Nachschärfen von Handäxten aus Stein. Der frische Knochen wäre für diesen Zweck ideal gewesen, was darauf hindeutet, dass die Werkzeugmacher seine Materialeigenschaften verstanden haben.

„Das Elefantenknochenwerkzeug weist Anzeichen dafür auf, dass es geformt und zum Knacken und Nachschärfen von Steinwerkzeugen verwendet wurde, während der Knochen noch frisch war, was darauf hindeutet, dass diese Menschen wussten, dass Elefantenknochen ein großartiges Material dafür war“, erklärte Bello.

Wer hat es gemacht? Neandertaler oder Homo heidelbergensis?

Die Forscher sind sich nicht sicher, welche Homininengruppe das Werkzeug geschaffen hat, aber angesichts seines Alters (480.000 Jahre) und seines Standorts sind die wahrscheinlichsten Kandidaten entweder frühe Neandertaler oder Homo heidelbergensis. Beide Gruppen lebten in dieser Zeit in Europa. Diese Entdeckung bietet einen seltenen Einblick in ihr Toolkit und zeigt ein höheres Maß an technologischer Raffinesse als bisher angenommen.

Boxgrove: Ein Fenster ins Paläolithikum

Das Werkzeug wurde ursprünglich in den 1990er Jahren in Boxgrove ausgegraben, einem Ort, der für seinen Reichtum an paläolithischen Funden bekannt ist. An der Stätte wurden Überreste abgeschlachteter Tiere, frühe menschliche Knochen und andere Steinwerkzeuge gefunden, aber der Retuschierer für Elefantenknochen sticht hervor. Elefantenknochen sind in Boxgrove außergewöhnlich selten, was darauf hindeutet, dass die Werkzeugmacher selten auf dieses Material stießen, seinen Wert jedoch erkannten.

Diese Entdeckung unterstreicht, wie sehr die frühen Menschen in der Lage waren, sich mithilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen anzupassen und zu gedeihen, selbst in schwierigen Umgebungen.

Der Fund bestärkt die Vorstellung, dass prähistorische Menschen nicht einfach nur auf ihre Umgebung reagierten, sondern aktiv Probleme lösten und mit den verfügbaren Materialien Innovationen hervorbrachten.