Tschernobyl-Pilz: Anpassung an die Strahlung in der Sperrzone

0
13

Die Sperrzone von Tschernobyl, die nach der Atomkatastrophe von 1986 abgeriegelt wurde, ist nicht unfruchtbar. Das Leben bleibt bestehen – und für einige Organismen könnte die anhaltende Strahlung sogar von Vorteil sein. Wissenschaftler haben einen widerstandsfähigen schwarzen Pilz, Cladosporium sphaerospermum, entdeckt, der in den radioaktivsten Strukturen des verlassenen Kraftwerks gedeiht. Dieser Pilz überlebt nicht nur; Es scheint sich an eine Umgebung anzupassen, die für die meisten anderen Lebensformen tödlich ist.

Das Geheimnis der Radiosynthese

Der Schlüssel zu dieser Anpassung könnte im dunklen Melaninpigment des Pilzes liegen. Einige Forscher vermuten, dass C. Sphaerospermum nutzt ionisierende Strahlung in einem der Photosynthese ähnlichen Prozess – der sogenannten „Radiosynthese“. Anstelle von Sonnenlicht nutzt der Pilz möglicherweise die Energie des radioaktiven Zerfalls. Konkrete Beweise bleiben jedoch schwer zu finden; Bisher hat niemand nachgewiesen, dass der Pilz tatsächlich Strahlung nutzt, um zu wachsen oder Energie zu erzeugen.

Die Entdeckung geht auf die späten 1990er Jahre zurück, als das Team der ukrainischen Mikrobiologin Nelli Zhdanova 37 Pilzarten fand, darunter C. Sphaerospermum, dominierende Proben aus dem Reaktorschutz. Der Pilz zeichnete sich durch seinen hohen Kontaminationsgrad und seine offensichtliche Strahlenresistenz aus. Nachfolgende Experimente von Wissenschaftlern des Albert Einstein College of Medicine zeigten, dass ionisierende Strahlung den Pilz nicht schädigt, sondern offenbar sein Wachstum beschleunigt.

Melanins Rolle: Schild oder Reaktor?

Ionisierende Strahlung spaltet Moleküle und schädigt die DNA, was sie für die meisten Organismen tödlich macht. Doch C. sphaerospermum überlebt in dieser Umgebung nicht nur, sondern gedeiht auch dort. Das Pigment Melanin kann sowohl als Schutzschild gegen schädliche Wirkungen als auch als potenzielle Energiequelle dienen. Die Idee ist, dass Melanin ionisierende Strahlung in nutzbare Energie umwandeln könnte, ähnlich wie Chlorophyll Licht einfängt.

Ein Experiment im Jahr 2022 brachte den Pilz sogar in den Weltraum und brachte ihn an der Internationalen Raumstation an, um seine Fähigkeit zu testen, kosmische Strahlung zu blockieren. Der Pilz reduzierte tatsächlich die Strahlungsdurchdringung, was auf sein Potenzial als Abschirmmaterial für zukünftige Missionen schließen lässt. Dies erklärt jedoch nicht, wie der Pilz es tut.

Was wir noch nicht wissen

Trotz der faszinierenden Ergebnisse fehlt ein endgültiger Beweis für die Radiosynthese. Wissenschaftler haben noch keine Kohlenstofffixierung durch ionisierende Strahlung oder einen klaren Weg zur Energiegewinnung beobachtet. Der Pilz kann Strahlenschäden einfach besser reparieren als andere Organismen, oder das Melanin könnte einen anderen Überlebensmechanismus auslösen.

Andere melanisierte Pilze zeigen nicht das gleiche Verhalten, was darauf hindeutet, dass diese Anpassung nicht universell ist. Ob C. Ob Sphaerospermum tatsächlich Strahlung „frisst“ oder einfach nur überlebt, bleibt unbekannt.

Letztendlich beweist dieser widerstandsfähige Pilz, dass das Leben einen Weg findet – selbst in den extremsten Umgebungen. Der genaue Mechanismus hinter seinem Überleben in Tschernobyl ist immer noch ein Rätsel, aber er unterstreicht die unglaubliche Anpassungsfähigkeit des Lebens auf der Erde.