Psychiater diskutieren aktiv darüber, ob zwanghafte Verhaltensweisen wie Einkaufen und Spielen in der nächsten Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), dem wichtigsten Nachschlagewerk auf diesem Gebiet, offiziell als Sucht anerkannt werden sollten. Derzeit wird nur die Glücksspielstörung als Verhaltenssucht eingestuft; Bei allen anderen handelt es sich um Substanzen wie Drogen oder Alkohol. Diese potenzielle Verschiebung spiegelt ein wachsendes Verständnis dafür wider, wie zwanghaftes Verhalten das Belohnungssystem des Gehirns auf ähnliche Weise wie traditionelle Süchte kapern kann.
Die Wissenschaft hinter Verhaltensabhängigkeiten
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass zwanghaftes Einkaufen viele Suchtkriterien erfüllt. Eine in Comprehensive Psychiatry veröffentlichte Studie verglich Käufer und stellte fest, dass diejenigen mit einem pathologischen Kaufwunsch bei Maßnahmen im Zusammenhang mit Suchtverhalten – Stress, emotionale Befriedigung und geringeres Selbstwertgefühl – höhere Ergebnisse erzielten. Diese Käufer zeigten auch eine eingeschränkte Selbstkontrolle, was darauf hindeutet, dass es sich bei diesem Verhalten nicht nur um eine Gewohnheit, sondern um einen Zwang handelt.
Die Definition, was eine Sucht ausmacht, ist von entscheidender Bedeutung. Der Psychiater Nathan Carroll erklärt, dass Sucht durch funktionale Beeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen (sozial, beruflich, pädagogisch) definiert wird. Das DSM verlangt derzeit, dass innerhalb eines Jahres mindestens vier von mehreren Kriterien erfüllt sein müssen, um Spielsucht zu diagnostizieren, darunter Besorgnis, eskalierende Wetten, fehlgeschlagene Kontrollversuche, Unruhe beim Versuch, damit aufzuhören, Nutzung des Glücksspiels, um Problemen zu entkommen, Jagd nach Verlusten, Unehrlichkeit, verpasste Gelegenheiten und Abhängigkeit von der finanziellen Hilfe anderer.
Sechs Schlüsselkriterien zur Erkennung von Sucht
Der Verhaltenssuchtforscher Mark Griffiths schlägt sechs Kriterien vor, die sowohl auf Substanz- als auch auf Verhaltensabhängigkeiten anwendbar sind:
- Salience: Das Verhalten dominiert das Leben einer Person.
- Stimmungsveränderung: Das Verhalten verändert Gefühle.
- Toleranz: Für den gleichen Effekt sind steigende Mengen erforderlich.
- Entzug: Das Absetzen führt zu negativen Symptomen.
- Konflikt: Das Verhalten schadet Beziehungen oder der Arbeit.
- Rückfall: Wiederholte Rückkehr trotz Aufhörversuchen.
Griffiths weist darauf hin, dass es selten vorkommt, alle sechs Kriterien zu erfüllen, sodass viele Fälle besser als „problematisch“ und nicht als echte Sucht beschrieben werden können.
Risiken und Vorteile einer breiteren Klassifizierung
Die Erweiterung der Suchtdefinition ist nicht unumstritten. Ein Risiko besteht darin, normales Verhalten zu pathologisieren – übermäßiges Training oder Spielen als Sucht abzustempeln, wenn es sich dabei lediglich um Hingabe handelt. Ärzte argumentieren jedoch, dass eine umfassendere Klassifizierung dabei hilft, pathologisches Verhalten von gesunden Hobbys zu unterscheiden.
Eindeutigere Kriterien helfen den Menschen auch dabei, ihre eigenen Probleme zu erkennen. Suchterkrankungen machen Betroffene oft blind und die Diagnose ist der erste Schritt zur Behandlung, bei der häufig zugrunde liegende Probleme wie Angstzustände oder Depressionen angegangen werden.
Die Zukunft des DSM
Die Erkennung von Verhaltenssüchten hat sich schrittweise weiterentwickelt. Glücksspiel wurde erstmals im DSM-3 (1980) als Impulskontrollstörung aufgeführt, bevor es im DSM-5 (2013) als Sucht neu klassifiziert wurde, was durch Bildgebung des Gehirns gestützt wird, die eine ähnliche Aktivierung des Belohnungssystems wie Drogen zeigt. Internet-Gaming-Störungen sind bereits im DSM-5 für weitere Untersuchungen aufgeführt und Experten gehen davon aus, dass sie in der nächsten Ausgabe vollständig berücksichtigt werden.
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation umfasst bereits Glücksspiel, Glücksspiel und zwanghafte sexuelle Verhaltensstörungen. Einige Forscher bleiben jedoch vorsichtig und argumentieren, dass die Belege für Erkrankungen wie Social-Media-Sucht noch begrenzt seien.
Letztendlich wird die Einbeziehung neuer Verhaltenssüchte in das DSM von stärkerer Forschung, biologischen Beweisen und bewährten Behandlungsmethoden abhängen. Während eine Spielstörung mit ziemlicher Sicherheit erkannt wird, erfordern andere Erkrankungen möglicherweise jahrzehntelange weitere Untersuchungen.
Die Debatte über die Grenzen der Sucht verdeutlicht das komplexe Zusammenspiel von Biologie, Verhalten und gesellschaftlichen Normen. Mit der Weiterentwicklung unseres Verständnisses entwickeln sich auch die Instrumente, mit denen wir diese Störungen definieren und behandeln.


























