Es sieht aus wie ein Missbrauchsopfer. Oder vielleicht ein mittelalterlicher Flagellant.
Eine 23-jährige Frau aus Florida erschien in der Notaufnahme, ihr Rücken war mit erhabenen, wütenden Streifen bedeckt. Es waren keine Blasen. Auch kein Peeling. Nur deutliche, wimpernartige Spuren, die sich über ihre Wirbelsäule erstreckten. Sie hatte sie seit zwei Tagen. Sie juckten stark.
Die Notfallambulanz hatte es bereits mit Steroiden versucht. Es folgten Antihistaminika. Nichts konnte die Ausbreitung stoppen.
Die Suche nach einer Ursache
Standardverfahren bedeutet, das Offensichtliche auszuschließen. Zuerst der Gewaltcheck. Hat jemand sie ausgepeitscht? Sie sagte nein. Kratzte sie sich? Nein.
Das Team scannte ihr System. Blutdruck normal. Herzfrequenz stabil. Ein kleiner Fieberanstieg auf 30 °C, aber nichts Gefährliches. Keine geschwollenen Gelenke. Kein Engegefühl im Hals. Die Atmung war klar. Magen-Darm-System ruhig.
Sie haben nach Insektenstichen gesucht. Keiner. Vorgeschichte einer Autoimmunerkrankung? Unbeschriebenes Blatt. Meningitis? Kein steifer Nacken, keine starken Kopfschmerzen. Neue Waschmittel oder Parfüme? In letzter Zeit hat sich nichts geändert.
Die Spur wurde kalt. Bis zum Abendessen.
Als sie gefragt wurde, was sie am Vortag gegessen hatte, erwähnte sie Shiitake-Pilze. Sie isst sie ständig. Normalerweise in Ordnung. Aber dieses Mal ging etwas schief.
Eine mittelalterliche Verbindung
Es ist kein Gift. Zumindest nicht die Art, die dich umbringt.
Das ist Shiitake-Dermatitis. Eine bizarre Erkrankung, bei der die Haut auf eine Verbindung im Pilz namens Lentinan reagiert. In einigen unglücklichen Körpern löst Lentinan eine Kaskade von Zytokinen aus. Diese Proteine veranlassen das Immunsystem, sich zu aktivieren. Das Ergebnis? Peitschenartige Ausschläge.
Der Name stammt aus der Geschichte, nicht aus der Medizin. Ein japanischer Forscher namens Takehiko Nakamura entdeckte das Muster im Jahr 1977. Er nannte es Flagellatendermatitis.
Warum? Denn es sieht genauso aus wie die Spuren, die die Flagellanten hinterlassen haben. Dies waren mittelalterliche religiöse Eiferer, die sich öffentlich auspeitschten. Als Glaubensbeweis. Die Frau auf dem Bett hatte nichts anderes getan, als das Abendessen zu kochen, aber ihr Rücken erzählte eine ganz andere Geschichte.
Forscher brachten dies zuvor mit unzureichend gegarten Pilzen in Verbindung, aber Shiitake-Sorten aus Baumstämmen bergen möglicherweise ein höheres Risiko als solche, die auf Substraten angebaut werden.
Behandlung und Folgen
Die Notaufnahme hat es nicht über Nacht behoben. Sie behielten den gleichen Spielplan bei. Hydrocortison-Creme. Clotrimazol. Orale Antihistaminika. Eine Spritze Kortikosteroid.
Sie hat auch gestillt. Sie hatte Angst, dass die Giftstoffe in ihre Milch übergehen würden. Die Ärzte beruhigten sie. Es kann sicher weitergehen.
Der Juckreiz ließ nach. Langsam. Die Streifen verschwanden nach etwa drei Wochen. Sie fing wieder an, Shiitakes zu essen. Es ist nichts passiert. Immer wieder. Die medizinischen Autoren erklärten nicht, warum ihr Körper sich nur dieses eine Mal selbst angriff. Es ist ein Rätsel. Meistens ein glückliches.
Wie selten ist es?
„Rare“ reicht nicht ganz aus. In der gesamten wissenschaftlichen Literatur gibt es vielleicht 100 gemeldete Fälle. Die meisten davon passieren in Asien. Europa bekommt einige. Amerika? Sehr wenige.
Einen Westler mit Hautläsionen durch Peitschenhiebe zu finden, ist statistisch gesehen seltsam. Aber los geht’s. Du hast zu Abend gegessen. Du wurdest von der Biologie verprügelt.
