Wie Mack Sennett die amerikanische Slapstick-Komödie erfand

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Mack Sennett machte nicht nur Witze. Er hat ein Genre aufgebaut. Er wurde am 17. Januar 1880 in Richmond, Quebec, geboren und starb schließlich am 5. November 1960 in Woodland Hills, Kalifornien. Doch in den drei Jahrzehnten dazwischen war er der Architekt des Chaos. Er gab uns die Keystone Kops. Er brachte den Amerikanern bei, wie man über Filme lacht. Ohne ihn sieht die gesamte Geschichte der amerikanischen Slapstick-Comedy ganz anders aus.

Er wurde nicht hinter einem Schreibtisch geboren. Er arbeitete im Zirkus. Er überlebte die Burleske. Er kämpfte sich durch Varieté und echtes Theater. Es war eine brutale Zeiterziehung. Als er 1908 schließlich als Schauspieler in die Biograph-Studios eintrat, sah er die Maschinerie des Films von innen. Er spielte nicht nur. Er schaute zu. Er lernte das Schneiden. Er schaute D.W. Griffith, der Regisseur, der damit beschäftigt war, die Filmkunst zu erfinden, und er verinnerlichte die Technik. Griffith legte Wert auf Drama. Sennett legte Wert auf Geschwindigkeit.

Er konnte es kaum erwarten. Drei Jahre später, im Jahr 1911, ging er weg. Er verließ Biograph, um in Los Angeles seine eigene unabhängige Keystone Company zu gründen. Er wollte sich nicht an Regeln halten. Er wollte sie brechen. Dies war der Moment, bevor Hollywood einen Stil hatte. Sennett entschied, was dieser Stil sein würde. Er war der erste Regisseur, der eine eigene visuelle Sprache für die Komödie entwickelte. Sein Schnitt war scharfsinnig. Sein komisches Timing war chirurgisch. Er hat nicht nur Komödien inszeniert. Er hat sie konstruiert.

Sennetts Studio produzierte nicht nur Slapstick. 1914 produzierte seine Firma „Tillie’s Punctured Romance“, die erste amerikanische abendfüllende Komödie. Es war ein Meilenstein. Aber er ist vor allem für die mehr als 1.000 Ein- und Zwei-Rollen-Kurzfilme bekannt, die die Kinos überschwemmten. Er begann damit, bei ihnen Regie zu führen und zu spielen. Viele Szenen wurden vor Ort improvisiert. Warum? Um reales Chaos wie Paraden oder Feuer einzufangen. Die Durchführung dieser Veranstaltungen wäre zu teuer gewesen.

Die Gesichter hinter dem Chaos

Sein Name ist mit zwei bestimmten Symbolen verbunden. Erstens die Badeschönheiten, die in seinen Filmen posierten. Zweitens die Keystone Kops. Dies waren einzigartig talentierte Schauspieler, die zu internationalen Stars wurden. Sie waren nicht nur Trottel. Ihre Possen prägten eine Generation der Komödie.

Satire im Zeitalter der Maschinen

Verwechseln Sie den Slapstick nicht mit einfachem Füllmaterial. Alte Sennett-Filme waren oft schärfer. Schauen Sie sich His Bitter Pill aus dem Jahr 1916 an. Oder A Small Town Idol aus dem Jahr 1921. Oder The Shriek of Araby aus dem Jahr 1923. Das waren bissige Parodien. Sie verspotteten die Schwächen einer zunehmend technisierten Gesellschaft. Bei der Kameraführung wurden Tricks angewendet. Dabei wurde auf Hochgeschwindigkeits- und Zeitlupenfotografie zurückgegriffen. Dieser Stil spiegelte die französischen „Verfolgungsjagd“-Komödien wider, die nach 1907 in den USA an Popularität gewannen. Es war nicht nur Lärm. Es war ein Kommentar zur Geschwindigkeit, zu Maschinen, zur neuen Welt.

Die Kops waren vielleicht das sichtbarste Gesicht, aber die Satire war das Gehirn. Hat irgendjemand den Unterschied bemerkt? Wahrscheinlich nicht. Sie haben nur gelacht.

Es war nicht nur Glück, das „Keystone“ zum Goldstandard der frühen Komödie machte. Mack Sennett baute eine ganze Fabrik des Lachens auf und trainierte einen Kader, der so gestapelt war, dass man ihn wie ein Who-is-Who der Stummfilmkönige liest. Er nahm rohes Talent und machte es zum Star.

Nehmen wir zum Beispiel Mabel Normand. Oder Marie Dressler. Auch Gloria Swanson hat hier angefangen. Dann ist da noch der große Name: Roscoe „Fatty“ Arbuckle. Ohne Arbuckle kann man nicht über Sennett sprechen. Harry Langdon fand dort seinen Rhythmus. Ben Turpins schielende Augen wurden zu einer Ikone. Charlie Chaplin hat sich im Schlamm die Zähne ausgebissen. Harold Lloyd lernte das Timing. WC. Fields verfeinerte seine Tat.

Sennett brachte nicht nur Stars hervor; er brachte Filmemacher hervor. Frank Capra hat hier seinen Anfang genommen. Malcolm St. Clair lernte das Geschäft. George Stevens begann seine Karriere unter seiner Fittiche. Das waren nicht nur Extras. Sie waren die Architekten des modernen Kinos, verfeinert in Sennetts chaotischen Werkstätten.

Aber die Welt hat sich verändert. Schnell.

Ton angekommen. Es hat alles verändert. Double bietet überflutete Theater mit billiger Unterhaltung. Zeichentrickfilme erregten die Aufmerksamkeit der Kinder. Dann kam das Jahr 1929. Der Wall-Street-Crash kam. Sennett verlor sein riesiges Privatvermögen. Der Stil, der ihn einst auszeichnete, fühlte sich plötzlich veraltet an. Der Slapstick ließ sich nicht auf die neue Ära übertragen.

Er versuchte sich anzupassen. Er konnte es nicht.

1935 ging er in den Ruhestand. Es war kein eleganter Abgang. Es war ein Zwangsstopp. Die Branche hatte sich weiterentwickelt.

Doch die Geschichte erinnerte sich an ihn. Im Jahr 1937 ließ die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ihn nicht stillschweigend verschwinden. Sie verliehen ihm eine besondere Auszeichnung. Das Zitat? „Für seinen nachhaltigen Beitrag zur Comedy-Technik der Leinwand.“

Es war eine Anerkennung dafür, dass das Genre ohne ihn möglicherweise nicht in der Form existieren würde, die wir kennen. Er hat den Motor gebaut. Andere trieben es weiter. Aber er hielt die Räder lange genug am Laufen, um den Standard zu setzen.

Ist diese Anerkennung jetzt wichtig? Vielleicht nicht in den Kassenzahlen. Aber in der DNA jeder lustigen Szene? Absolut. Die Echos von Keystone sind immer noch da. In jedem Fall. Bei jeder Verfolgungsjagd. Jeder Moment kontrollierten Chaos.

Sennetts Name steht heute nicht immer im Rampenlicht. Aber sein Fingerabdruck ist in der Kunstform verankert. Permanent.